Leben mit Alzheimer - Betreuung und Pflege durch Angehörige
Im Gegensatz zu professionellen
PflegerInnen fehlt den Angehörigen die Distanz zu den Patienten, was
auf der einen Seite ja gewünscht ist, auf der anderen Seite jedoch sehr
viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Man sorgt für die Angehörigen,
man macht sich aber auch viele Sorgen, sorgt sich über die Nachbarn,
über die Zukunft, über sich selbst, zweifelt an sich. Um sich
von diesen Sorgen nicht erdrücken zu lassen, hilft am besten der Austausch
mit anderen, die ähnliches erleben. Adressen von Selbsthilfegruppen finden
Sie über die Schweizerische Alzheimer-Vereinigung.
Die Betreuung von Alzheimer-Patienten hat vor allem folgende Inhalte:
- regelmässigen Tagesablauf sicherstellen
- Unterstützung bei Alltagsfertigkeiten bei möglichst grosser Selbständigkeit
- Hilfen zur Orientierung und Merkfähigkeit geben
- Verwahrlosung verhindern: auf Körperpflege und WC-Benutzung achten
- regelmässiges Essen und Trinken sicherstellen
- Gefahrenquellen beseitigen
- Motivation zu sozialen Kontakten und Bewegung
- Überwachung der Einnahme der Medikamente
- Beobachtung des Krankheitsverlaufs
Eine grosse Herausforderung für Angehörige ist der Umgang mit Aggressionen und Verwirrtheit der Patienten. Eine gegenseitige Überforderung führt oft zu einer Situation, die für alle Seiten untragbar ist. Hinzu kommt die Verstrickung in der Beziehung zum Angehörigen. Möglicherweise gab es vorher schon versteckte Probleme in der Beziehung, die nun verschärft hervortreten. Oder es erfolgt ein kompletter Rollenwechsel vom vorher eher unsicheren Ehepartner zum nun für alles verantwortlichen "Pfleger". Es ist wichtig, sich hier Hilfe von aussen zu holen.
Folgende Verhaltensweisen haben sich bewährt:
Versuchen Sie nicht, Demente von der "Realität" überzeugen zu wollen. Soweit es möglich ist, sollte man nutzlosen Streit vermeiden, und die Patienten in ihrer Vorstellungswelt belassen. Realität ist immer das, was man als solche erlebt. Alzheimer-Patienten erleben eine andere Realität als ihre Angehörigen. Will man diese Realität korrigieren, führt dies meist nur zu Angst, Verwirrung und Ärger. Hilfreicher ist, wenn Sie die Patienten möglichst oft bestätigen und Erfolgserlebnisse vermitteln können.
Versuchen Sie nicht, Alzheimer-Patienten gegen deren Willen mit Denksportaufgaben zu trainieren. Helfen Sie ihnen lieber dabei, mit Symbolen, Erinnerungen, Merkzetteln etc. mit dem nachlassenden Gedächtnis umzugehen.
Demente Personen organisieren ihr Leben meist nicht mehr nach einem inneren Plan sondern nach äusseren Anreizen. Sie trinken z.B. ein Glas Wasser, wenn sie es sehen, nicht weil sie wissen, dass sie 2 Liter pro Tag trinken müssen. Eine Tür lädt dazu ein, durch sie das Haus zu verlassen. Ein Mantel ebenfalls. Untersuchen Sie Ihre Umgebung auf solch ungewollte Anreize. Es empfiehlt sich, nicht auf die Einsicht zu vertrauen, sondern soviel Gefahrenquellen wie möglich von vorneherein auszuschalten.
Denken Sie daran, dass Alzheimer die Betroffenen stark verunsichert, da immer mehr Orientierungsmöglichkeiten in Raum und Zeit wegfallen. Daher sind sie auf der Suche nach Bekanntem (meist aus der Vergangenheit), das ihnen Sicherheit gibt.
Nicht nur Gesunde neigen dazu, eigene Fehler (auch vor sich selbst) zu vertuschen oder anderen die Schuld daran zu geben. Bei Alzheimer-Patienten häufen sich die krankheitsbedingten Fehlleistungen. Vermeiden Sie es, sich in einen Streit über die Schuldfrage hineinziehen zu lassen.
Und nicht zuletzt: Denken Sie auch an sich: Ihre Lebensqualität ist ebenso wertvoll wie die des Kranken. Lassen Sie sich beraten (siehe Anlaufstellen). Nehmen Sie Hilfe in Anspruch. Zwischen selbst pflegen und Heimeinweisung gibt es sehr viele Zwischenstufen. Ausserdem gibt es Ferienangebote für Alzheimerpatienten und Angehörige.
Und ganz zuletzt: Fragen Sie sich, ob Sie diese Aufgabe (einen Angehörigen mit Alzheimer zu pflegen) wirklich übernehmen wollen und welches Ihre Motive dazu sind. Es gibt zahlreiche Gründe, die Pflege ganz oder teilweise in kompetente Hände zu legen.
|
Übrigens: Im Gegensatz zur geistigen Leistungsfähigkeit bleiben die Gefühle über lange Zeit hinweg "normal". Auf dieser Ebene lässt sich meist ein guter Kontakt herstellen. |
|
|